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Semiotik

Grande Arche, ParisZS Digital Humanities - CoverZusammen mit Ellen Fricke and Roland Posner gebe ich die Zeitschrift für Semiotik heraus, eine def führenden Semioik-Zeitschriften.

Zeitschrift für Semiotik

Die Open Access-Version der Zeitschrift für Semiotik wurde im Jahr 2018 neu etabliert. Alle Artikel werden unter einer Creative Commons-Lizenz etwa ein Jahr nach der Print-Publikation online veröffentlicht. Die Printversion der Zeitschrift wird weiterhin fortgesetzt.

Themenheft „Digital Humanities"

Das neueste Themenheft der Zeitschrift für Semiotik beschäftigt sich mit den theoretischen und methodologischen Herausforderungen, die mit dem Status der Digital Humanities innerhalb der Geisteswissenschaften verbunden sind. Diese können nicht auf technologische und methodologische Neuerungen reduziert werden, da sich zunehmend auch Auswirkungen auf das Spektrum der untersuchten Phänomene und die theoretische Reflexion in den Geisteswissenschaften zeigen. Es wird argumentiert, dass die Semiotik als interdisziplinäre Grundlagentheorie dazu beitragen kann, diese offenen Fragen zu bearbeiten.

Lange schon nutzen auch Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler den Computer und das Internet für ihre tägliche Arbeit: das Sammeln, Annotieren, Analysieren, Interpretieren und Publizieren von – gerade auch semiotischen – Artefakten. Seitdem für diese Entwicklung die englische Umschreibung „Digital Humanities“ konsensfähig geworden ist, wird paradoxerweise der Diskurs über „das Digitale“ primär von Gegensätzen bestimmt. Bei aller Polemik treten oft die Fragen in den Hintergrund, die für die Bestimmung der langfristigen Relevanz wesentlich sind: Wie und wohin verschieben digitale Methoden und Techniken die Forschungsagenda? Inwiefern sind die Digital Humanities mehr als ein „Methodenupdate“ für die Geisteswissenschaften, indem sie neue Fragestellungen ermöglichen, Theorie-Updates erzwingen, neue Perspektiven installieren und die etablierten Verhältnisse in den GW, um das bekannte Diktum zu zitieren, „zum Laufen bringen“?

Die Semiotik bietet ein Begriffs- und Theorieninventar, mit dem diese Entwicklungen innerhalb der Geisteswissenschaften präzise erfassbar werden. Semiotische Artefakte und Zeichenprozesse unserer Kultur erfahren bereits von je her Veränderungen in ihren medialen Eigenschaften, wobei einige Zeichenfunktionen erleichtert, andere erschwert werden. Können die „Grenzen der Interpretation“ (Eco) durch die Verheißungen der Technologie weiter hinausgeschoben werden? Diesen und ähnliche Fragen geht das Heft mit Beiträgen von John A. Bateman, Ingo Frank, Julia Nantke sowie Daniel Schüller und Irene Mittelberg nach.

Themenheft „Biosemiotische Ethik / Biosemiotic ethics“

Das Themenheft der Zeitschrift für Semiotik enthält deutsch- und englischsprachige Artikel. – In den letzten zwei Jahrzehnten haben einflussreiche Biosemiotiker, darunter Jesper Hoffmeyer und Kalevi Kull, damit begonnen, die ethischen Konsequenzen der Biosemiotik herauszuarbeiten. Diese folgenreichen und viel rezipierten Überlegungen sind mittlerweile von einer neuen Generation von Philosophen und Wissenschaftlern aufgegriffen worden.

ZS Biosemiotic ethics - CoverGrundlegend für die biosemiotische Ethik ist die Argumentation, dass die Fähigkeit zur Produktion und Interpretation von Zeichen eine moralisch relevante Eigenschaft ist. Da alle lebenden Systeme semiotische Fähigkeiten haben (allerdings in unterschiedlichem Maß), kann die Biiosemiotik als Grundlage dafür dienen, Menschen ebenso wie anderen Lebewesen moralischen Status zuzubilligen. Dabei wird der Grad ihrer semiotischen Fähigkeiten und die Komplexität der Interaktion mit dem jeweiligen Ökosystem berücksichtigt.

Das Heft wurde von Morten Tønnessen, Jonathan Beever und Yogi Hale Hendlin als Heftherausgebern entwickelt und eingeleitet. Es enthält Forschungsartikel von John Deely, Andreas Weber, Hans Werner Ingensiep, Jessica Ullrich, Konrad Ott, Gerald Ostdiek, sowie von den Heftherausgebern Morten Tønnessen, Jonathan Beever und Yogi Hale Hendlin, sowie ein Interview mit der legendären Pionierin des Feldes, Wendy Wheeler. Das Inhaltsverzeichnis sowie alle Abstracts des Hefts sind online verfügbar.

[Mai 2015:] Meine Auseinandersetzung mit der antisemiotischen Bewegung ist erschienen. Lohnenswert für alle, die die Hintergründe der Semiotik-Kritk in Teilen der (deutschen) Philosophie, Bild- und Kunstwissenschaft verstehen wollen, führt der Artikel zugleich in die unterschätzten Möglichkeiten der Semiotik in den umstrittenen Forschungsfeldern ein.

[Febr. 2015:] Besucht das neue Virtuelle Zentrum für kultursemiotische Forschung (VZKF), eine von verschiedenen Hochschulen betriebene virtuelle Heimat für Kulturwissenschaftler mit Interesse an der Semiotik. Martin Nies hat dafür eine Einführung in die Kultursemiotik geschrieben.

Einige Überlegungen zur Semiotik und ihren Stärken habe ich in 10 Thesen zusammengefasst, die den Ausgangspunkt für eine hoffentlich rege Diskussion bilden sollen:

10 Thesen zur Semiotik und ihrer Zukunft

Ich freue mich über Kritik oder Verbesserungsvorschläge zu den Thesen.

Was ist Semiotik?

Semiotik ist die Wissenschaft, die Zeichen und Zeichenprozesse in Kultur und Natur untersucht. Sie ist grundlegend für große Teile der Geistes- und Sozialwissenschaften und spielt auch in einigen Naturwissenschaften (etwa der Biologie) eine Rolle. Zugleich ist ihre Lage an der Universitäten fast schon traditionellerweise prekär.

semiotischer KaffeeMeine Begegnung mit der Semiotik fand im Grundstudium der Allgemeinen Linguistik statt, als ich ein Seminar bei Roland Posner an der TU Berlin besuchte. Dort wurde die Zeichenklassifikation besprochen, die Posner in seinem Aufsatz „Believing, Causing, Intending“ entwickelt hatte. Ich war fasziniert von dieser Kombination aus wissenschaftlichem Anspruch und praktischer Anwendbarkeit. Das war 2002; seitdem hat mich die Semiotik auf meinem wissenschaftlichen Weg begleitet und in vielfältiger Weise inspiriert, so etwa bei meiner Dissertation über Stil und aktuell in der Beschäftigung mit Diskurslinguistik und Multimodalität.